Wir - St. Kilian Kalbach
 

Marinegrotte in Mittelkalbach

Am 18. Mai 1958 hat der Bauherr Pfarrer Josef Fröhlich in Konzelebration mit 10 Priestern die Grotte feierlich eingeweiht. Der Grottenplatz fasste die Menschenmenge damals nicht, es waren an die 3000 Gläubige aus Mittelkalbach und Umgebung auf die Bornhecke gekommen. Gewiss war es damals nicht einfach, in schwieriger Nachkriegszeit ein solches Vorhaben in die Tat umzusetzen. Anlass war die Jahrhundertfeier der Verkündigung des Dogmas von der Unbefleckten Empfängnis Mariens im Jahre 1954. Ganz spontan muss es gewesen sein, als lda Fröhlich, die leibliche Schwester und Haushälterin von Pfr. Josef Fröhlich (Foto) mit einer Haussammlung für den Bau der Grotte das Startsignal gab. Die Standortfrage war schnell geklärt - das war idealer Weise die Bornhecke - ganz oben. Vom Dorf, von den Landstraßen, von den Feldern - die Grotte wäre immer im Blickfeld der Pfarrei! Unversehens taten sich Schwierigkeiten auf mit dem Grunderwerb. Das Vorhaben geriet ins Stocken, deshalb musste ein anderer Standort gefunden werden. Oben am Sämig bot sich etwas an, aber es fehlte eine Quelle für das unverzichtbare Plätscherwasser. Weil die einst unwegsame Hohle vom Geisberg zur Bornhecke inzwischen befestigt war, wurde eine feuchte Weidensenke am Fuße der Bornhecke im Eigentum des Hutatsbauers Albert Hillenbrand als alternativer Standort für die Grotte interessant. Der Grunderwerb war Formsache. Aschermittwoch 1957 wurde die Grotte abgesteckt. Als erste Arbeit stand die Bewegung einer großen Erdmasse an - das Gelände musste planiert werden. Hilfe kam aus der Nachbarschaft – freundschaftlich und kostenlos. Bürgermeister Ferdinand Auth aus Niederkalbach schickte auf Anfrage sofort eine schwere Planierraupe, die er sich selbst für den Feldwegebau beschafft hatte. Dann trat das Vorhaben in eine entscheidende Phase, Zitat aus der Pfarrchronik: "Gerhard Kusserow, evangelisch, ein gelernter Bauarbeiter mit vielseitigem künstlerischen Talent, ledig, aus Berlin, seit kurzem in Mittelkalbach bei Hermann Elm am Koppelweg (heute Fritz-Allard-Straße d.Verf.) wohnend, wurde auf Empfehlung seiner Nachbarn und seiner Leistungen in Mittelkalbach mit der Ausführung des Grottenbaues betraut". Gerhard Kusserow erzählte einst dem Verfasser: „In der Mitte des Grottenareals war ein großer Lavasteinhaufen aufgetürmt, drum herum der geschobene Erdwall, dabei ein Bauherr mit ungeheurem Elan, ständig darauf aus, Baumaterial billig zu erstehen oder auch mal den einen oder anderen Sack Zement ohne Bares zu ergattern."


Pfarrer Josef Fröhlich schreibt in der Chronik von „Schwierigkeiten beim Bau infolge des heißen Sommers 1957. Dieser war so heiß, dass die tägliche Arbeitszeit von 5-10 Uhr und 17-20 Uhr festgesetzt werden musste.“ Viele Männer stellten sich als Helfer für einige Stunden oder auch einen ganzen Tag unentgeltlich oder gegen geringes Entgelt zur Verfügung. Nachdem der von außen angeschüttete Erdwall auch mit Hilfe von Kuhgespannen fertig war, wurde von Frauen und Mädchen in Eimern und Körben eine Humusschicht auf den Wall aufgetragen, auch Rasensoden wurden aufgelegt. Dann pflanzte man 500 - 600 kleine Birkenbäumchen, die man zuvor im Wald auf dem Grashof ausgegraben hatte. Der Blumenschmuck der gesamten Anlage oblag einigen Frauen, darunter lda Malkmus, Lina Leinweber, Monika Vogl und Anna Werner. Für die technischen Dinge wie Ordnung, Wasser und Licht war Ludwig Malkmus verantwortlich.


Von Anfang an haben sich die Nachbarinnen Rosa Malkmus, Anna Diegmüller und Auguste Heil mit Familienangehörigen und andere für die Pflege der Grotte verantwortlich gezeigt und viel Freizeit aufgewendet, um dieses repräsentative Kleinod des Glaubens in würdigem Zustand zu erhalten.
Seit einigen Jahren ist die Nachfolgegeneration in die Verantwortung getreten. Die jungen Frauen der Bornhecke und ihre Helferinnen und Helfer arbeiten unauffällig und wohl auch ohne besondere Anerkennung durch die Pfarrgemeinde all das, was der Würde der Mariengrotte angemessen ist.
Votivtafeln bezeugen die gewährte Hilfe der fürsprechenden Gottesmutter. Dem Erbauer der Mariengrotte und seinen Helferinnen und Helfern schuldet die Pfarrgemeinde St. Sebastian Dank.

Text:Horst Raab

Bilder: Archiv Pfarrgemeinde, Matthias Schneider