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23. Juni 2017

Bewahren und Erneuern …

23. Juni 2017

Bewahren und Erneuern … die Vorbereitung

 

Diese Überschrift gilt nicht nur für einige Traditionen in den einzelnen Kirchorten hier in Kalbach, sondern auch für die liturgischen Geräte und Gewänder unserer Pfarrgemeinde St. Kilian.

In den zurückliegenden 18 Monaten konnten wir bereits ein weißes Messgewand und die Patronatsfahne St. Sebastians durch eine großzügige Spende restaurieren. In der Verwaltungsratssitzung vom 4. Mai 2017 befasste sich dieser auf Anregung des Pfarrgemeinderates mit der Restaurierung eines grünen Messgewandes, welches laut  Inventarliste des Generalvikariats Fulda zwischen 1840 und 1850 gefertigt wurde.


Das Messgewand wurde in einer Meisterwerkstatt für Paramenten von Frau Marieluise Becker gründlich untersucht und auf eventuelle Restaurierungsmöglichkeiten überprüft.


Frau Becker informierte uns, dass das Gewand kostbare Handstickereien auf dem Mittelstab (Vorderseite) und Kreuzstab (Rückseite) hat und ursprünglich als Bassgeige erstellt wurde:

Der Mittelstab zeigt einen Weinstock mit Weintrauben, Blätter, reichen Verzierungen und den beiden Schriftzügen „Benedictus dominus in aeternum“ (Gott sei gepriesen in Ewigkeit).


Die Rückseite ist besonders reichhaltig bestickt, da bis zum Zweiten vatikanischen Konzil die Priester mit dem Rücken zur Gemeinde  die Gottesdienste feierten. Es ist der gekreuzigte Christus an einem Weinstock zu sehen. Dieser Weinstock ist wie vorne mit Weintrauben, Blättern und reichen Verzierungen bestickt. Auch hier wurden verschiedene Schriftzüge mit aufgenommen: „Ego sum vitis vas palmites Gustate et videte“ (Ich bin der Weinstock, Ihr seid die Rebzweige) und „INRI“.


Vermutlich in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde die Bassgeige zerschnitten: Mittelstab und Kreuzstab wurden auf ein grünes Kasel-Gewand genäht und mit einer Goldborte an den Kanten versehen.


Durch die jahrelange Nutzung des Gewandes wurde es stark beschädigt. Der Trägerstoff ist verschlissen und morsch, die schönen Stickereien haben keinen Halt mehr. Die Grundkasel aus grünem Seidenstoff ist an vielen Stellen zerschlissen und gerissen. Einige dieser Risse wurden vermutlich in der jüngsten Vergangenheit durch verschiedene Stoffflicken repariert.


Die Paramentenmeisterin Frau Becker schlug nach der genauen Prüfung des Gewandes folgende Sanierung vor: Die schönen Stickereien werden aus dem Trägerstoff filigran herausgeschnitten und fachgerecht auf einen neues zeitgemäßes grünes Kasel-Gewand übertragen. Die vorhandenen handgestickten Motive werden restauriert und der Weinstock wird auf beiden Seiten verlängert.

Mit diesen Maßnahmen erhalten wir ein neues, hochwertiges, schönes und kostbares Messgewand, welches über viele Jahre von unseren Priestern wieder zu den Gottesdiensten getragen werden kann.

Für die Restaurierung sind 110 Arbeitsstunden geplant, die sich auf ca. 4.180 € belaufen und die Materialkosten umfassen etwa 850 € zzgl. Umsatzsteuer. Der Verwaltungsrat hat den Restaurierungsmaßnahmen zugestimmt und wird diese aus den Rücklagen für liturgische Gewänder nehmen.


Ich bin dem Verwaltungsrat dankbar, dass sie dem Vorschlag des Pfarrgemeinderates zugestimmt haben und wir wieder in St. Kilian ein weiteres Stück unserer über 100- jährigen Geschichte und Tradition restaurieren werden.


In den nächsten Wochen können Sie die Restaurierung des Gewandes auf unserer Homepage verfolgen. Die Fertigstellung ist für den 20. August 2017 (Pfarrfest in Uttrichshausen) geplant. An diesem Tag werden wir es weihen und wieder in Gebrauch nehmen.

Andreas Pörtner, Sprecher des Pfarrgemeinderates


Text: Andreas Pörtner

Fotos: Marieluise Beckr & Andreas Pörtner